The team is not prophetic

Oder: Was heißt commitment?

Ob der Begriff Commitment in den selbsternannten Gesetzestexten zu Scrum überhaupt (noch) existiert, bleibt dahingestellt, denn ihre Legitimation im täglichen Scrumleben ist fraglich und ihre Verwendung selten zu beobachten. Und ob es besser ist, das ganze auf eine reine Vorhersage (‘forecast’) zu reduzieren, wage ich aber auch zu bezweifeln.

Was aber passiert denn in dem Moment (im Sprint Planning), in dem irgendeine Art von Zusage entsteht, die aus meiner Sicht mehr ist als reine Vorhersage. Und wenn ja, was wird denn da genau zugesagt?

Das Missverständnis entsteht, weil viele Teams oder Scrum-Neulinge glauben, dass ein Commitment heißt, sich darauf festzulegen, eine bestimmte Anzahl User Stories in einer festgelegten Zeit umzusetzen. Das wäre aber etwas naiv gedacht und war wahrscheinlich noch nie die Absicht im Scrum gewesen. Dazu gibt es einen schönen Satz, der das sehr anschaulich unterstreicht:

The problem is that the team is not prophetic.

Quelle: No commitment required

Vielleicht wäre es anders, wenn esoterische Praktiken wie Kartenlegen oder Kristallkugellesen eingesetzt werden würden – anstelle der eher spielerischen Ansätze wie Planning Poker oder Magic Estimation, bei denen nur die kreative Namensgebung prophetische Allmacht suggeriert.

Was heißt aber jetzt Commitment? Ich habe mal eine Formulierung versucht, von der große Teile aus dem Artikel (Es gibt kein Commitment im Scrum) und der anschließenden Diskussion stammen oder zumindest inspiriert sind:

Ein Commitment ist ein Versprechen, das bedeutet,

  • dass das Team so sorgfältig wie möglich prüft, was aus seiner Sicht realistisch ist und
  • sich ernsthaft dafür einsetzt dieses Ziel zu erreichen und
  • dafür sorgt, dass bei Problemen der Product Owner rechtzeitig eingebunden wird, um eine Lösung zu finden.