If Scrum is the answer - what is the question?

Oder: Was macht eine Frage zu einer guten Frage?

Joseph Pelrine hat die Frage nach der Frage If Scrum ist the answer – what is the question? ans Ende seines Vortrags der Agilen Bodensee Konferenz 2012 gestellt.

Ich habe diesen Vortrag vor wenigen Tagen auf Youtube gesehen und seitdem geistert die Frage durch meinen Kopf. Also muss es irgendwie eine gute Frage sein. Gute Fragen sind Fragen, die sich nicht leicht und schon gar nicht schnell beantworten lassen. Gute Fragen können völlig neue Perspektiven erzeugen und manchmal ganze Gebäude von Überzeugungen und Strukturen erschüttern. Manchmal erfordern sie gar keine Antworten, sondern das Verständnis einer Frage reicht schon aus, um ganze Welten von neuen Lösungen freizulegen.

Der Vortrag enthält übrigens weitere gute Fragen (und auch Antworten), auch wenn das Audio anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist wegen des Raumanteils (Halls):

Für mich ist diese Frage nach der Frage in zweierlei Hinsicht interessant: zum einen rührt sie an dem Selbstverständnis von Scrum, so wie ich es leben und wie ich meine Rolle als Scrum Master ausfüllen möchte: als Gralshüter des heiligen Scrums oder als fragender, suchender Veränderer, für den Scrum niemals Selbstzweck ist, sondern immer nur Mittel zum Zweck – der Scrum nutzt, wenn und weil es nützt und immer in dem Moment und Kontext, in dem es am geeignetsten erscheint.

Zum anderen fasziniert mich die Struktur der Frage über Scrum hinaus:

If … is the answer – what is the question?

Und anstatt Scrum kann ganz viel eingesetzt werden: z.B. alles, was sich scheinbar wie von selbst als good oder best practice anbietet, um quasi placeboartig alle Probleme lösen zu können (oder auch Kanban oder jedes andere agile Tool oder Framework der Wahl).

Die Frage durchbricht mit ihrer Prägnanz und treffsicheren Kürze alle Situationen, die ihre Legitimation aus sich selbst beziehen und die von Selbst-Genügsamkeit geprägt sind und fordert dazu auf, den Lösungsraum zu verlassen, solange mögliche Ziele und Herausforderungen der aktuellen Situation noch nicht geklärt sind.

Und das schöne an der Frage ist, dass sie wunderbar als Leitfrage dienen kann, um sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass die eigene Arbeit und damit Scrum Antwort auf die Fragen des aktuellen Umfelds und der aktuellen Organisation liefern sollte und nicht umgekehrt.